Pressemappe

Die Edda & die Isländersagas

Egill Skallagrímsson

Die Isländersagas, Íslendingasögur, die im Mittelalter, zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert in Island aufgeschrieben wurden, gehören zu den bedeutendsten literarischen Leistungen Europas. Die Zeit der Handlung in den Isländersagas erstreckt sich von der Landnahmezeit, Landnáms-öld, im 9. Jahrhundert bis in das 11. Jahrhundert. Die anonym überlieferten Isländersagas erzählen objektiv und detailreich von Auseinandersetzungen und Kämpfen zwischen Individuen und Familien, die nicht selten gewaltsam enden. Die Isländersagas stellen eine Einzelperson oder Sippe in den Vordergrund und geben dabei Einsicht in die Vorstellungswelt der Menschen zu jener Zeit, etwa in Bezug auf Respekt, Ehre, Rache und Recht.

Die Isländersagas sind nur ein Teil der isländischen Sagaliteratur, zu der im engeren Sinne auch die Königssagas, Konungasögur, die Vorzeitsagas, Fornaldarsögur, die Sturlungensaga, Sturlunga saga, sowie die Bischofssagas, Byskupasögur, zählen, die zu den Gegenwartssagas gerechnet werden.

Einen anderen bekannten Zweig der altisländischen Literatur stellt die Edda dar. Unter dieser Bezeichnung werden zumeist zwei Werke zusammengefasst, die so genannte Lieder-Edda und die Snorra-Edda welche Snorri Sturluson um das Jahr 1220 verfasste. Die Snorra-Edda ist eine einzigartige Quelle; ein Lehr- und Anschauungsbuch der alten nordischen Mythologie und Dichtkunst der Skalden-Prosa, Skáldskaparháttur.

Der Großteil der Lieder-Edda ist im sogenannten Königsbuch, Codex Regius, aus dem späten 13. Jahrhundert erhalten. Darin finden sich zwei Arten von Liedern: Heldenlieder und Götterlieder. Die Heldenlieder erzählen von den Nibelungen, von Sigurd, der den Drachen Fafnir tötete, von Brunhild, der Tochter von Budli, und von Atli (Attila) dem Hunnenkönig. Diese Geschichten haben eine alte germanische Tradition und obwohl sie in Island aufgeschrieben worden sind, ist es möglich, dass einige schon aus dem 9. Jahrhundert stammen. Von den Götterliedern sind die Hávamál und Völuspá am bekanntesten. Sie erzählen von den Asen, den nordischen Göttern, und sind eine einmalige Quelle der Weltanschauung der nordischen Völker im Altertum.

Aus Anlass des Auftritts Islands als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2011 wird der S. Fischer Verlag eine neu übersetzte und neu überarbeitete Ausgabe der Isländersagas veröffentlichen. Die Isländersagas, der wichtigste Beitrag Islands zur Weltliteratur, werden damit endlich wieder dem deutschen Lesepulikum zugänglich gemacht.